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blogpost to go

„Coffee to go “ oder auch „Kaffee to go“. Nun ja, daran gewöhnt man sich. „Zum Mitnehmen“ ist ja auch so furchtbar lang, und klingt einfach nicht cool.

Man hat ja auch „keine Idee“ mehr, dass es früher „keine Ahnung“ hieß.

Aber das war schon special: „Zeitung to go“.

Wir erinnern uns: früher setzte man sich in den Zeitschriftenladen und las dort; etwas später setzte man sich in den Zeitungskasten und las die Zeitung dort. Wer später kam, hat Pech gehabt.
Aber jetzt endlich gibt’s die revolutionäre Neuerung: man darf die Zeitung sogar mitnehmen, wenn man sie bezahlt hat!

Ich liebe unfreiwilligen Humor.

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Gewinnspiel

Überall ein Gewinnspiel.
Jeder, der irgendwo hinkommt, nimmt erstmal an einer Verlosung teil.

Keine Veranstaltung mehr ohne dieses Antriggern der Gier der Menschen.
Als wäre Gier der einzige Antrieb, den wir haben (neben Geiz natürlich).

Interesse an Dingen, Themen, einfach so? Ist wohl zu schwach – wir brauchen heute stärkere Anreize – richtig urig-primitive Selbstsucht-Triebe. „Ich geh‘ da hin, weil’s dort was zu gewinnen gibt“.

Sollte zufällig nebenbei Interesse an der Thematik der Veranstaltung aufkeimen, wäre das für den Veranstalter eine Art willkommener Nebeneffekt. Aber zuerst einmal wird auf die Gier der Menschen abgezielt. Scheinbar kann man sich sonst gegen das totale Überangebot an Veranstaltungen nicht mehr zur Wehr setzen.

Dass man auf diese Art seine Thematik abwertet, nur um Leute anzulocken,
dass man überall Prospekt- und Losverteiler aufstellt, jeden Anlass zum Werbe-Event verkommen lässt,
und sich so selbst ein Ei legt, weil man von dem ablenkt, worum’s im Grunde ging –
was soll’s?

Es fällt je keinem mehr auf. Und so nimmt auch keiner mehr den Werbecharakter aller Veranstaltungen wahr, und keiner außer dem Losgewinner weiß am Ende mehr, warum er eigentlich hingegangen ist…

Fragen kost‘ nix?

Fragen kostet vielleicht kein Geld –
doch es kostet trotzdem immer etwas:

Fragen kostet dich die Energie und Zeit des Fragens,
und den Gefragten die Energie und Zeit des Antwortens.

Eine zu dreist gestellte Frage kann bewirken, dass der Andere dichtmacht.
Fragen kann bedeuten, den Anderen zu zwingen, nein zu sagen, und das wiederum kann ein Stück Vertrauensverlust bedeuten.

Manchmal verhindert eine unpassend und unsensibel gestellte Frage, dass jemand von sich aus gibt.

Dieses „Von sich aus“ ist eines der wertvollsten Geschenke in den Beziehungen zwischen Menschen –
und es ist kostenlos. Erst damit geht man weg vom kleinkrämerischen „Gibst du mir, geb ich dir“, vom Versuch, möglichst viel für sich selbst herauszuschlagen.
Weg vom Grenzen Setzen oder jemanden Zwingen, Grenzen zu setzen, zum freiwilligen aufeinander Zugehen.

Obwohl unserer Zeit das Gespür für solche Vorgänge weitgehend abhandengekommen ist, finde ich:
Jede Frage, jede Bitte will gut überlegt sein!

was geht mich denn die Erde an?

was du verlangst, ist, dass ich weiter denke als ich denken kann.

Ich kuschel mich in meine kleine Welt

weil mir das Leben in der kleinen Welt viel mehr gefällt

was geht mich denn die Erde an?

was du verlangst, ist, dass ich viel mehr gebe als ich geben kann.

ich wickel mich in rosa Samtpapier

und träum den Traum vom Glück im Dir und Mir

Zuerst dachte ich, es handele sich um Einzelfälle.

E-Mails mit drei Fehlern pro Satz, und manchmal irgendeine schriftliche Arbeit eines meiner Musikschüler, die er für Schule oder Ausbildung brauchte, und mir zur Korrektur gab: Korrektur! Da musste erstmal eine Art deutsche Sprache etabliert werden, die annähernd diesen Namen verdient. Nicht dass ich übermäßig perfektionistisch wäre – mein Deutsch-Leistungskurs liegt Jahrzehnte hinter mir, und ich habe zwischenzeitlich wenig gelesen, und bin auch mehr zum Medium Computer übergegangen. Die neue Rechtschreibung habe ich nur teilweise und mit äußerst gemischten Gefühlen angenommen. Auch ich bin nicht gefeit, und darum geht es überhaupt nicht.
Dann merkte ich, dass es sich häuft – irgendwann sogar, dass man das, was ich als legasthenische Einzelfälle eingeordnet hatte, als Standard erwarten darf. Will man seine Gemütsruhe bewahren, tut man inzwischen gut daran.
Es geht nicht um Fehlerfreiheit. Es geht nicht um Einhaltung überalterter und heutzutage nicht mehr relevanter Maßstäbe. Es geht um unsere Kultur, und das, was man einst zu ihren Stärken zählte, und weltweit bewunderte.

Ich bin ein typischer Vertreter dieser Kultur, ein typischer Lehrer vielleicht obendrein. Aber auch wieder nicht. Niemals hätte ich in meiner jugendlichen Protesthaltung geahnt, selbst mal Lehrer zu werden (ich denke, so geht es vielen Lehrern). Nun bin ich allerdings kein Schullehrer, sondern „nur“ Gitarre-Lehrer. Aber ein Gitarre-Lehrer mit einer kulturellen Mission, aus innerer Überzeugung. Ich bringe meine anerzogene und selbsterarbeitete Bildung in meinen Job mit ein. Ich merke, dass ich eine Art dritte Einflusskraft auf Jugendliche bin, neben Eltern und Schule. Ich versuche, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Bildungs- und kulturbeflissen, habe ich mir mannigfaches Wissen – nicht nur musikalischer Art – selbst angeeignet, und dabei meine eigene geistige Kraft kennen gelernt.

Ich könnte ein Vorbild für Andere sein. Stattdessen fühle ich mich auf verlorenem Posten.
Die paar Leute, mit denen ich jede Woche konfrontiert bin, auf die ich mit meinen Maßstäben ausstrahlen könnte, sind eher befremdet. Sie könnten sich abwenden, wenn ich auch nur ein ganz klein wenig zu sehr insistiere – das geht heutzutage sehr schnell.
Ich fühle mich hilflos, traue mich kaum zu sagen, was ich denke. Ich würde total old-school rüberkommen (und glaubt mir, die meisten „meiner“ Jugendlichen finden mich für einen Erwachsenen meines Alters eher cool), würde mich als Ewig-Gestriger outen, wenn ich darüber auch nur rede – z.B., dass man „hat“ nicht mit zwei „t“ schreibt, oder „rescherschieren“ falsch ist (danke, Rechtschreibprogramm, das ist diesmal Absicht); dass man Relativsätze mit Komma abtrennt, oder „dass “ und „das“ nicht dasselbe ist…

Aber um solche Einzelheiten geht es gar nicht. Ein genereller Einbruch ist erfolgt, ein Zusammenkrachen von Maßstäben in großem Maßstab. Gerüste, an denen man einst Generation für Generation unsere Kultur hochzog, stehen nicht mehr. Pisa-Studie hin oder her – es geht um viel mehr, sei es das Essverhalten, Fernsehen, Computerspiele, Hausaufgaben. Alle hängen mit drin, keiner kann dem Anderen die Schuld zuschieben.
Ein Teenager versteht überhaupt nicht mehr, für was und warum es relevant sein könnte, Wörter richtig zu schreiben. Nach alten Maßstäben müssten heutige Hausaufgaben, Schulaufgaben und Aufsätze wohl allesamt mit 5 oder 6 bewertet werden, wenn man auch nur die minimalsten Rechtschreibanforderungen zugrunde legt. Aber das wird schon längst nicht mehr getan – das kann man gar nicht bringen. Ein Sturm der Entrüstung wäre die unausweichliche Folge.
So, und deshalb fühle ich mich auf verlorenem Posten. Das, was zu meinen Schulzeiten selbstverständlich war, aber auch das Selbsterarbeitete, das mir wichtig ist, scheint nichts zu zählen, und niemanden mehr zu interessieren. Soll ich einfach bloß zusehen? Nur zur Kenntnis nehmen, dass man in Mails das Alter des Absenders an der Zahl und Art seiner Rechtschreibfehler ablesen kann?

Es ist längst keine individuelle Frage, kein persönliches Problem mehr – es ist ein Generationen-Ding.
Willkommen in den Zeiten der allgemeinen Legasthenie und des seuchenartig verbreiteten ADS!

Bitte erwarte jetzt niemand von mir vorschnelle und qualifizierte, fachlich abgesicherte Lösungsvorschläge. Daran wird ja schon – mit oft zweifelhaftem Erfolg – gearbeitet. Hier geht es um das Konstatieren, und um eine persönliche Sicht. Irgendjemand muss ja auch versuchen, den Überblick zu wahren. Irgendwie muss ich auch einfach die aufgestaute Spannung loswerden. Danke.

Noch was

ANGLIZISMEN SAUGEN!

Wir sind Tiere!

Auch der Mensch ist nur ein Tier
Doch lebt er nicht im Jetzt und Hier
Schaut kaum über seinen Tellerrand
Und hat sich oft die Hand verbrannt

Aus Schaden wird er selten klug
Verstrickt sich gern in Lug und Trug
Sieht edel sich, erhaben, weise
Doch ist er viel zu grün für seine Reise

Auch seine Herkunft, die Natur, tritt er mit Füßen
Und kann das Leben doch nicht recht genießen
Es fehlt ihm was – er sucht’s im immer Gleichen
Doch freut es ihn – genauso geht’s den Reichen

Nachschlag:

Wir sind Tiere
Und wir sind tierisch gierig
Untereinander sind wir meistens
Tierisch schwierig